Ärzteranking

1. Wem hilft es?
2. Wem schadet es?
3. Welche praktische Möglichkeiten gibt es?

In den letzten Jahren hat es mehrmals in "Billigzeitungen" ein Ärzteranking gegeben. Dabei schnitt dann Prof. A besser ab als C und dieser wieder besser als B! Viele vermuten, dass dabei keine wirkliche Beurteilung durchgeführt wurde, sondern dass es sich dabei möglicherweise um eine versteckte und bezahlte Werbeaktion der entsprechenden Professoren gehandelt hat. - Hat es einem Patienten wirklich geholfen? Dazu meine eindeutige Antwort: Nein!

Ich, als gut besuchter Arzt, sehe für meine Person kein finanzielles Problem meinerseits einer Beurteilung durch meine Patienten!

Aber was kann der Patient wirklich beurteilen? Die medizinische Leistung nur in sehr eingeschränktem Maße:
Beispiele:

a. 5 Frauen gehen mit einem durch Palpationsbefund selbst festgestellten Knoten in der Brust zum Arzt A und 5 andere zum Arzt B. Jene 5 beim Arzt A haben ihren Tumor bereits vor einem 1/2 Jahr bis Jahr getastet und sind somit im fortgeschrittenen Stadium ihres Krebsleidens zum Arzt gegangen. Keine der Frauen überlebt die nächsten 2 Jahre. Ganz anders beim Arzt B: Alle 5 Patientinnen erscheinen im Frühstadium und werden geheilt. Ist also Arzt A der schlechtere und B der bessere?
Sicher nicht, denn der verantwortungsvolle Arzt A hat immer wiederum seine Patientinnen darauf hingewiesen, sich regelmäßig selbst die Brust abtasten und beim kleinsten Verdacht sofort die Sprechstunde aufzusuchen. - Leider ist Arzt A Arzt in einem Dorf und hier ist Krebs noch immer ein Tabuthema und die Leute suchen meist viel zu spät ihren Arzt, trotz des Einsatzes ihres Arztes im Rahmen der "Gesunden Gemeinde" usw.
b. Erst heute habe ich von einer massiven Durchfallserkrankung erfahren, bei der Patient mehrere Tage täglich seinen Arzt aufsuchte und dort auch die richtige Therapie erhielt. Bis zur vollen Wirkung dieser Therapie bedurfte es einer gewissen Zeit (man könnte dem Erstbehandler etwa noch vorhalten, seinen Patienten nicht ausreichend gut darüber aufgeklärt zu haben). Am Samstag suchte der Patient den Vertretungsarzt auf und dieser verabreichte ein "Wundermittel", denn der Durchfall war innerhalb einer Stunde abgeklungen. Die Ursache war nicht das Wundermittel, sondern, die jetzt vollständig eingesetzte Wirkung der Therapie des Erstbehandlers.
c. Obwohl man noch unzählige Beispiele zur besseren Veranschaulichung dieses komplexen Themas anführen könnte, möchte ich hier eine kurze Geschichte aus meiner Spitalszeit anführen: Nachtdienst im Krankenhaus Amstetten. Nach einer schweren Nacht mit unzähligen Aufnahmen auf der Intensivstation, Reanimationen, Herzschrittmacherlegungen usw., an der Grenze des Machbaren kann ich mich um 4 Uhr morgens für 2 Stunden zur Erholung ins Bett legen.  Nach 1 Stunde um 5 Uhr weckte mich eine sichtlich verzweifelte Schwester: Hr. Doktor bitte kommen Sie auf die Station, ein Patient will jetzt und sofort das Krankenhaus gegen Revers verlassen.
Die Ursache war: Der Patient hatte eine Peribronchitis. Für dieses Wort gibt es keine deutsche Übersetzung. Der Arzt bei der Mittagsvisite hatte ihm gesagt, er hätte eine beginnende Lungenentzündung, der Arzt bei der Nachmittagsvisite übersetzte es als sehr schwere Bronchitis. - Für den Patienten war eine Lungenentzündung eine schwere, möglicherweise tödlich verlaufende Erkrankung, eine Bronchitis jedoch eine harmlose  nicht wirklich behandlung bedürftige Erkrankung. Wenn man also nicht weiß, ob der Patient leicht oder schwer krank ist, müsse er das Krankenhaus wechseln, auch wenn es 5 Uhr morgens ist.
d. Abschließend ein letztes Beispiel. 2 Patienten haben seit kurzem beim Berg auf gehen "Sodbrennen", das in Ruhe sofort abklingt. Die Patieten erhalten einen Säureblocker. Nach dem dies nichts hilft, werden beide Patienten zum Internisten geschickt zur coronaren (Abklärung der Herzkranzgefäße) Abklärung. Patient A meint "Hätte mein Hausarzt nicht viel früher daran denken müssen?". Patient B´s Meinung: "Gott sei Dank habe ich einen so fürsorglichen Hausarzt, der sofort erkannte, dass, wenn die Tabeltten nichts helfen, es vom Herz kommen muss!" (Übrigens: Beide Patienten waren innerhalb weniger Tage bei mir zur Untersuchung, zugewiesen vom selben Arzt!)

Punkt 1 und 2 "Wem hilft es?" und "Wem schadet es?" müssen gemeinsam betrachtet werden.
a. Die medizinische Beurteilung hilft dem Patienten nicht, sondern kann ihm nur schaden.
 a1. Wie soll der Patient die durchgeführte Coloskopie beurteilen? Macht er eine Ärzte-Hopping und geht innerhalb 1 Woche zu 5 verschiedenen Ärzten zur Coloskopie und bewertet dann, wo es ihm am besten gefallen hat?
 a2. Eine Coloskopie vor 5 Jahren ist mit heute nicht vergleichbar.
 a3. Eine Vorsorgecoloskopie unterscheidet sich vollkommen von einer bei abklingender Divertikulitis.
b. Beurteilung auf Wartezeiten auf einen Termin:
 b1. Wenn man auf einen Termin lang warten muss, kann es sich um einen Hinweis auf einen guten und daher sehr gefragten Arzt handelt.
 b2. Der Arzt beschränkt sich auf seine mit der Krankenkasse vereinbarten Ordinationszeiten und geht dann golfen.
 b3. Schlecht gehende Praxen haben meist kurze Wartezeiten.
c. Wartezeit im Wartezimmer:
 c1. Natürlich gibt es vereinzelt ein schlechtes Zeitmanagement in einzelnen Ordinationen, wo beispielhaft 5 Patienten gleichzeitig um 8 Uhr morgens bestellt werden.
 c2. Ich sehe es jedoch als großes Problem der "Patientenerziehung", die in letzter Zeit immer schlechter wird. Patienten kommen ohne Absage nicht oder teilweise grundlos stark verspätet.
 Andere kommen 2 Stunden zu früh und regen sich auf, weil Nachkommende zuerst ins Sprechzimmer gelassen werden.
 c3. Ein schlechterer Arzt mit wenig Patientenaufkommen, wird eher kurze Wartezeiten haben.
d. Ordinationsausstattung:
 d1. Beispielhaft erwähne ich, dass ich 3 Gastroskope, das älteste ist 2 Jahre alt, verwende. Wenn nun ein Kollege auf seiner Homepage anführt, 4 zu haben und nicht erwähnt, dass das jüngste  8 Jahre alt ist, welche Bewertungsinformation hat der Patient also?
 d2. Das  gleiche gilt für oberflächlich stark abgenutzte Geräte, wenn es sich um einen gut gehende Praxis handelt. Das gleiche gilt für die Wartezimmerausstattung.
 d3. Obwohl ich 2 TV-Flachbildschirme mit Patienteninformation in meinem Wartezimmer habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass diese eine "Fehlinvestition" waren, da bei mir die Wartezeiten von -5min (Patient kommt vor seinem Termin ins Sprechzimmer) bis +15min betragen.
e. Freundlichkeit des Arztes und seines Teams. Unbestritten ist, dass eine freundliche Ordination die Selbstheilungskräfte des Patienten stärkt. Nur: Ein Krebs im fortgeschrittenen Stadium wird damit auch nicht gut.
f. Bei einem freiwilligen Ranking werden sich größtenteils die Unzufriedenen melden. Das ist in der Natur des Menschen.

Zusammenfassend meine persönliche Meinung: So ein Ranking,wie es derzeit im Gespräch ist, ist mehr eine Gefahr für die Patienten als eine Hilfe!

3. Praktische Möglichkeiten
3a. Wie oben angeführt, ist ein freiwilliges Ranking nicht angezeigt, weil zu fehleranfällig. Dies erinnert mich auch an meine Krankenhauszeit, wo bei der Spitalsentlassung all jenen Patienten, die sich mehr als hundert Mal für die Betreuung bedankt haben, einen Bewertungsbogen ausgehändigt bekommen haben mit der Bitte diesen auszufüllen und abzugeben und jenen, die sich mehrmals beschwert haben, dieser Erhebungsbogen nicht erhalten haben!
3b. Entweder Sozialversicherungen oder der Arzt selbst händigen einer bestimmten Anzahl von Patienten einen entsprechend validierten Fragebogen aus und der Patient ist verpflichtet diesen binnen einer kurzen Zeit einer Auswertungstelle zukommen zu lassen. Nur: Wer trägt die Kosten für ein Mittel (Ärzteranking), das sehr umstritten ist.
3c. Ähnlich wie Gourmet-Restaurant-Führer wird eine Bewertung durchgeführt. Vorteil: Die Kosten und das Risiko trägt der Verlag. Nachteil: Wie objektiv sind diese Führer? So wie die Restaurantführer?
 Angeblich sind einzelne dieser Restaurantbewertungen käulich. Wird dies das Ärzteranking dann auch?


Abschließend: Ich halte das Thema "Ärzteranking" für ein ganz Wichtiges zur Verbesserung der Patientenversorgung. Nur gehört es in die richtigen Hände. Sobald uns die Patienten bewerten  (gelernt haben uns richtig zu bewerten) ist das, was uns Ministerium, ÖQMed usw. vorgeben, uninteressant.

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